Chianti


Der Begriff Chianti leitet sich von den Gebirgszügen ab, die die Städte Florenz im Norden und Siena im Süden trennen. Diese ca. 60 km gehören landschaftlich zu den schönsten Gebieten in ganz Italien. Steineichenwälder, Zypresssen, Olivenbäume und eine wild wuchernde mediterrane Vegetation überdecken die teils schroffen Hügel. Hier wird jedes einzelne Klischee der nordeuropäischen Sehnsüchte befriedigt. Das fruchtbare Land eignet sich zudem perfekt für den Weinbau, allerdings bedecken die Reben nur einen kleinen Teil der Landfläche, zu groß ist das ganze Gebiet für eine intensivere Bewirtschaftung. Die hier heimische Rebsorte Sangiovese findet in den Höhenlagen teils perfekte Bedingungen, da die Tage sehr heiß sind, es aber eben nachts deutlich abkühlt. Zudem hält ein stetiger warmer Wind die Trauben trocken.

Lag der Qualitätsweinbau in den 1960er Jahren noch praktisch komplett am Boden, so hat die Region heute einen unglaublichen Aufschwung genommen. Mit dem witschaftlichen Erfolg Italiens nach dem Krieg wurden die Rebflächen im Chianti, das seit den Etruskern Weinbau betreibt, neu bestockt. Allerdings mußte man mangels Alternativen minderwertige, auf hohe Erträge ausgelegte Sangiovese-Klone verwenden. Das Ergebnis waren sehr zweifelhafte Qualitäten sowie insgesamt ein Ertragsbild, das Raum für Zumischungen von Wein aus anderen Regionen zumindest stark stimulierte. Das Image des Chianti war binnen kurzer Zeit praktisch erneut ruiniert. In den 1980er Jahren erreichte die Toskana eine Welle in- und ausländischer wohlhabender Investoren, die oftmals nur an den idyllischen Landhäusern und garnicht am Wein interessiert waren. Nach der Sanierung der Anwesen erfolgten in aller Regel auch erhebliche Investitionen in die mit erworbenen Rebflächen. Da meist keine Erfahrung mit Weinbau vorlag, holte man sich professionellen Rat und konnte zudem ohne traditionelle Bindungen moderne Rebsorten und optimale Klone anpflanzen. Die Weine wurden zunächst nicht verkauft, sondern nur für den Eigenbedarf produziert. Da störte es nicht, die DOCG Regeln zu verletzen und den Wein als IGT Tafelwein klassifizieren zu müssen.


Im Chianti Classico Gebiet wechseln Wälder, Weinberge und Olivenbäume ständig einander ab.

Die modernen Cuvées aus Sangiovese, Merlot, Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc oder auch Syrah erreichten die Aufmerksamkeit der internationalen Weinkritik und mit deren hohen Bewertungen stieg das Interesse an den Chianti Classico und den internationalen Cuvées, für die sich der Begriff Super-Tuscan verfestigt hat. Allerdings darf man nicht vergessen, dass es im Chianti immer auch eine große Tradition lokaler Weinbaubetriebe gegeben hat, wie z.B. die Familie Antinori oder Mazzei - beide beteiben hier Qualitätsweinbau seit Jahrhunderten und liegen auch heute noch an der Spitze der Region. Der große Erfolg der Weine in vielen Ländern - insbesondere in den USA - hat für steigende Preise und zunehmenden Wohlstand in der Region gesorgt. Gestiegen sind aber auch die Preise für das Land, ein Hektar gute Rebfläche wird mit rund 100.000.- € gehandelt. Da der Weinbau aber erst ab einer nennenswerten Größe wirtschaftlich ist, sind viele Betriebe mit Zweigbetrieben rechtzeitig in die süd-westlich gelegene Maremma ausgewichen - und haben damit eine weitere Erfolgsgeschichte gestartet.


Der "Gallo Nero", der schwarze Hahn steht heute für Top-Qualitäten beim Chianti Classico, insbesondere bei den Spitzenerzeugern, die zur Weltelite aufschliessen konnten.