Hotelempfehlungen

Relais Sant Elena

Zauberhaftes Boutiquehotel der Extraklasse direkt an der Grenze zu Bolgheri. Mit nur 16 Zimmern und einem sehr großen Gelände inmitten der Bilderbuchlandschaft der Toskana ist Sant`Elena eine Oase der Ruhe und Erholung im Vergleich zu dem hektischen Treiben der Touristenmassen am nur 6 km entfernten Meer. Ideal für anspruchsvolle Weinfreunde, Bolgheri und die Tenuta San Guido sind nur rund 7 km entfernt.

Bolgheri


Die Weinproduzenten in der nördlichen Maremma haben eigentlich nur noch zwei wesentliche Probleme: die vielen Wildschweine, die ihre wertvollen Trauben lieben und die einfallenden Touristen. Gegen beide ist man mit hohen und massiven Zäunen sowie sich praktisch nie öffnenden Toren wirkungsvoll vorgegangen. Dabei haben die Touristen eigentlich zwei Vorteile: sie essen sehr gerne Wildschweinfleisch - was Problem Nr. 1 reduziert - und bezahlen sehr viel Geld für den feinen Wein aus dieser Region.

Tatsächlich gehört die DOC Bolgheri an der toskanischen Mittelmeerküste im Süden der Provinz Livorno zu den dynamischsten Weinregionen Italiens der letzten 15 Jahre. Nach dem Motto "du hast keine Chance, also nutze sie" stand der kleine Landstrich noch in den 1980er Jahren einer renommierten und übermächtigen Konkurrenz im Chianti, Brunello oder Vino Nobile gegenüber. Das hier vorherrschende Klima war für den in der Toskana typischen Sangiovese nicht gut geeignet, weswegen man qualitativ das Nachsehen hatte. Quasi aus einer für den privaten Gebrauch gedachten Laune heraus begann Mario Incisa della Rocchetta Ende der 1940er Jahre bereits mit der Pflanzung des hier nicht zugelassenen Cabernet Sauvignons. Der Legende nach bekam der pferdebegeisterte Marchese von seinem Freund de Rothschild aus Pauillac die Reben geliefert. Ob das wirklich stimmt, ist aber höchst ungewiss. Der Cabernet Sauvignon jedoch gedieh in dem mediterran heißen und trockenen Klima überaus prächtig und lieferte die Grundlage für einen Wein mit großem Potenzial.

Einige Jahre später wurde der Sassicaia genannte Wein doch vermarktet (als Tafelwein!) und begeisterte nicht nur in Italien sofort. Als Parker dem 1985er Sassicaia auch noch 100 Punkte verlieh, war ein neuer Kultwein geboren. Später gesellten sich weitere Bordeaux-Sorten wie Merlot, Cabernet Franc und Petit Verdot hinzu und komplettierten den Bordeaux-Blend.


Die berühmte Zypressen-Allee führt vom Meer (im Hintergrund sichtbar) direkt vor das Tor des Ortes Bolgheri

Das Land um das Städtchen Castagneto Carducci, zu dem auch der Weiler Bolgheri mit seinem berühmten Turm gehört, befindet sich in großen Teilen seit über 1000 Jahren im Besitz der weit verzweigten Adelsfamilie der Gherardesca. Der nur etwa 10 km breite Landstreifen zwischen dem Tyrrehnischen Meer (Tyrrhenoi = Etrusker) und dem Gebirge ist sehr fruchtbar und wurde schon immer landwirtschaftlich genutzt. Der sporadisch betriebene Weinbau war mengenorientiert und auf den Eigenbedarf ausgerichtet. Neben dem Sassicaia kam es erst in den 1980 Jahren zu weiteren Gründungen von fokussierten Weinbaubetrieben. Durch die Heirat von Marchese Niccolo Antinori und der Gräfin Carlotta della Gherardesca kam ein über viele Generationen gepflegtes Wissen über den Weinbau nach Bolgheri. Ihre Söhne Ludovico und Piero Antinori gehören heute neben dem Cousin Nicolò Incisa della Rocchetta zu den profiliertesten Promotoren des italienischen Weinbaus mit ihren Großbetrieben in Bolgheri "Guado al Tasso", "Ornellaia" und "Biserno" und vielen anderen berühmten Betrieben in verschiedenen Teilen der Welt.

Begünstigt durch eine Landreform in Italien gelangte aber auch Grund und Boden in bescheidenerem Umfang in private Hände. Voraussetzung war, das die Vorgängergeneration das Land der adeligen Besitzer ein Leben lang bewirtschaftet hatte. Als Pioniere des privaten Weinanbaus ebenfalls um die 1980er Jahre sind Michele Satta, Piermario Meletti Cavallari (Weingut Grattamacco) und Eugenio Campolmi (Weingut Le Macchiole) zu nennen, die qualitativ sehr nahe an die großen Vorbilder heran kommen. Seit dieser Zeit sind insbesondere ab 1998 die Rebflächen und die Anzahl der Betriebe rasch angestiegen. Waren 1998 noch rund 180 ha unter Reben, erhöhte sich diese Fläche bis 2009 auf über 1.100 ha. Prominente Investoren in Bolgheri sind u.a. die italienischen Weinlegenden Allegrini und Gaja sowie die deutsche Industriellenfamilie Knauf.


Das Castello thront über Zypressen, Olivenbäumen und Weinbergen, rechts der Beginn der Cipressa

Der Siegeszug der Bordeaux-Rebsorten Cabernet-Sauvignon (43% der Rebfläche in 2009), Merlot (23 %), Cabernet Franc (8 %) und Petit Verdot (7 %) ist ein Unikum in Italien. Viele Betriebe experimentieren auch mit Syrah (7 % der Rebfläche). Lediglich 2 % der Rebfläche ist mit Sangiovese bestockt, der klassischen Rebsorte der Toskana. Die DOC Bolgheri wurde 1983 eingesetzt, kurioserweise aber nur mit Statuten für Weiß- und Roséweine, obwohl bereits damals der Sassicaia zu internationalem Ruhm gelangt war. Erst 1994 wurden die Statuten für die Rotweine Rosso, Rosso Superiore und Sassicaia erweitert und mit DOC-Status versehen. Ohne Frage ist der kleine, ins Meer abfallende Landstreifen für den Weinanbau extrem gut geeignet. Außer Pinot Noir gedeihen hier praktisch alle international bedeutsamen roten Reben. In dem relativ trockenen und sehr warmen Klima können die Trauben optimal ausreifen, gelesen wird oft schon Ende August. Zudem bietet der Lehm- und Kalkhaltige Boden mit gutem Wasserabzug ins Meer beste Voraussetzungen.

Entsprechend vollmundig, konzentriert und opulent fallen die Weine aus. Die hohe Fruchtsüße gepaart mit runden, geschliffenen Tanninen ergeben große, gleichzeitig aber auch gefällige und "warme" Rotweine. Um hier des Guten nicht zu viel zu tun, achten die Önologen darauf, dass die Fermentationstemperaturen eher niedrig bleiben (max. 26-28 °C). Zu diesen sehr vorteilhaften natürlichen Bedingungen kommen eine perfekte Kellertechnik und international ausgebildete Önologen. Es gehört wenig Phantasie dazu, den Weinen aus Bolgheri eine große Zukunft vorher zu sagen, verliert sich doch das einzige Manko, das junge Alter der gerade erst gepflanzten Reben, mit jedem weiteren Jahrgang.


Entlang der Cipressa fallen die Weinberge scheinbar direkt ins Meer.