Produktinformationen


Tertre Rôteboeuf in Saint-Emilion


Wenn man behauptet, François Mitjavile sei der profilierteste Winzer in Saint-Emilion, dann dürfte man damit wohl Recht haben. Sein kleiner Betrieb in bester Höhenlage mit Südausrichtung hat Kultstatus erlangt, verzichtet aber auf den üblichen Namenszusatz Château. Konventionen interessieren diesen Magier und Naturphilosophen nicht, er setzt konsequent auf gesunde und reife, aber nicht überreife Frucht. Wenn er nicht seine 5,6 ha kleine Rebfläche minutiös pflegt, dann sitzt er in seiner wunderbaren Bibliothek und liest Bücher und Zeitschriften über die Natur und Pflanzen im Speziellen. Sein System hat er bis in das kleinste Detail optimiert. Das Ergebnis ist absolut spektakulär. Die Weine sind am Markt kaum erhältlich, die berühmten Weinkritiker nicht seine Zielgruppe. Und so bleiben wichtige Ratings aus, allerdings hat der Kultstatus in den letzten Jahren auch ohne die Punkte für ein nicht unerhebliches Preisniveau gesorgt. Einen Tertre Rôteboeuf aus einem großen Jahrgang muss man einfach einmal probiert haben.

Der Jahrgang 2009 in Bordeaux


2000, 2003, 2005 und jetzt wohl auch 2009, das sind die Traummaße eines Jahrzehnts, das mit einem Jahrhundertjahrgang begann und mit einem eben solchen zu Ende geht. 2009 bot geradezu perfekte Wetterbedingungen, startete aber mit einem Schock, da ein schwerer Hagel Anfang Mai schon in einigen Teiles des Bordelais die Ernte dezimierte. Der Frühling war jedoch grundsätzlich weniger verregnet und damit trockener als 2007 und 2008. Seit Juni blieb das Wetter stabil, warm und manchmal auch heiß, mit gut verteilten Niederschlägen. Der so wichtige August überzeugte mit Traumwetter für die Winzer. Als Folge des warmen und trockenen Wetters ergab sich ein Reifevorsprung von ein bis zwei Wochen und ein sehr gesundes Traubenmaterial. Vergleiche mit 2003, jedoch feineren Weinen zeigten schon Ende August, das hier ein großer Jahrgang entsteht.

Die Lese beginnt Anfang September mit den Weißweinen und ab Mitte September mit dem Merlot in St. Émilion und Pomerol. Die immer noch perfekten, warmen Herbsttage mit schon kühleren Nächten lassen bereits Vergleiche mit den Ausnahmejahrgängen 1989 oder 1990 aufkommen. Makellose, kleinbeeringe Trauben und niedrige Säurewerte erinnern auch an 1947. Bei der Erntemenge liegt 2009 im Bereich eines normalen Jahrgangs, allerdings dürften die Anteile der Zweitweine eher zurückgehen. Als wäre dies nicht genug, regnete es Ende September gerade so viel, um den Trockenstress der Reben zu lindern und den Reifungsprozess wieder zu starten. Die Ernte konnte bei optimalen Wetterbedingungen eingebracht werden. Im Ergebnis findet man Tannin- und Zuckerwerte, die kaum je vorher beobachtet wurden. Dies führt zu hohen Alkoholgehalten, die durch das mächtige Tanningerüst und die außergewöhnliche frische Frucht im Zaum gehalten werden. Die besten Weine schaffen das fast Unmögliche, eine Ausgewogenheit, Frische, Fruchtigkeit und Eleganz, gepaart mit seidiger, aber mächtiger Tanninstruktur. Praktisch alle Produzenten stimmen in das Urteil ein: der beste Jahrgang ihrer Laufbahn!

Die Euphorie über diesen Jahrgang ist auch Jahre später kaum noch zu bremsen und gerechtfertigt.

Der Tertre Rôteboeuf 2009


Ein Hagel im Mai 2009 dezimierte die sowieso geringe Erntemenge in 2009 auf eines der niedrigsten Niveaus seit 1990. François Mitjavile war gezwungen, insbesondere beim Merlot massiv heraus zu schneiden. Dennoch sagte er uns, der habe in seiner ganzen Winzer-Karriere noch nie so perfekte Trauben geerntet. Kein Wunder also, dass für den deutschen Markt nur vielleicht weniger als 50 Kisten Wein übrig bleiben werden und der Cabernet Franc Anteil mit 30 % ungewöhnlich hoch ist (es gibt keinen Zweitwein). Wer eine Kiste ergattern kann, bekommt einen in jeder Hinsicht spektakulären Wein, gemacht von einem der profiliertesten und charismatischsten Produzenten Frankreichs. Und 2009 dürfte schlicht sein Meisterwerk gewesen sein (dicht dran sind 2010 und 2005). Schade, dass er Parker keine Verkostungsproben zuschickt, er erwartet einen Besuch - und da wartet er eben.

Diejenigen, die diesen Wein verkosten durften - wie wir auch, sogar vom Fass - sind schlicht begeistert. Die Fruchtkonzentration erreicht ungeahnte Niveaus, die einfach nur sprachlos machen. Der Wein entwickelt einen enormen Aromendruck und bleibt gleichzeitig frisch und ausbalanciert. Trotz fast 16 % Alkohol ist das kein schweres Monster, die Säure, Tannin und Frucht halten den Alkohol in Schach. Ein Phänomen!

Château Tertre Rôteboeuf 2009

2016 haben wir den Wein erneut verkostet, zu groß war die Neugierde auf diesen großen Wein. Der 2009er zeigt sich von phänomenaler Dichte, Kraft und einer alles dominierenden unglaublich süßen Himbeernote. Ein richtiger Blockbuster-Typ, der nach etwa einer Stunde im Dekanter so richtig loslegt. In der Nase noch fast etwas verschlossen gibt er am Gaumen richtig Gas mit seiner cremigen Textur, einem kräftigen Schluss Vanille und hochkonzentrierten Himbeeren. Dabei halten intensive, frische Aromen von schwarzem Pfeffer den Wein wunderbar in der Balance, nie kippt der Wein in Richtung Marmelade. Das Steak, das diesem Wein die Show stiehlt muss erst gebraten werden.

Liebhaber dieses massiven und körperreichen Stils finden hier das Maximum, das es in Bordeaux zu kaufen gibt. Ein Ausnahmewein in jeder Hinsicht aus einem Jahrhundertjahrgang. Und François Mitjavile gelingt es auf seine unerreichte Weise, dieses Kraftpaket in einen rassigen und feinen Bordeaux zu verwandeln.


Alkohol: 15,7 %

Erzeuger / Abfüller: Château Tertre Roteboeuf | 1 Tertre | F-33330 Saint Laurent des Combes | Frankreich