Weinfachmesse véritable17

08. Juli 2017



Hat man es an die Spitze geschafft, wenn das Fernsehen über eine Veranstaltung berichtet, in der es nicht um Protest, Skandale und Gewalt geht? Ja, vermutlich schon. Uwe Warnecke ist der Schöpfer und unermüdliche Organisator der "véritable" genannten Weinfachmesse, verstärkt durch das sensationelle Team des Aloisiushofs im pfälzischen St. Martin. Im siebten Jahr fand nun diese einmalige Messe statt. Um den Titel "schönste Weinmesse Deutschlands" musste Uwe Warnecke nicht lange kämpfen. Um den Titel "beste Weinfachmesse Deutschlands", schon eher. Das Fernsehen berichtet, d.h. dieses Ziel ist auch erreicht. Kein Grund für Uwe Warnecke nicht weiter nach oben zu streben. Eine jährliche Leistungsschau der allerbesten Winzer und ihrer berühmtesten Weine auf kleinstem Raum, das ist sein Ziel.

Doch nicht nur die Aussteller sind handverlesen, das Publikum ist es auch. Über eine Webseite kann man um Karten anfragen, die strenge Zuteilung erfolgt durch Uwe Warnecke persönlich. Und eines ist gewiss: er kennt alle und er möchte nur professionelle Weinkenner versammeln. Eben Leute, die die herausragende Qualität des Gebotenen anerkennen und schätzen. Und an diesem Ziel ist er schon extrem nah dran. Die 2017er Ausgabe der véritable war ohne Zweifel die beste und hochkarätigste Messe bislang, die Veranstaltung erfreute sich zudem einem reinrassigen Kaiserwetter.

Daniel Gantenbein bei der veritable17
Daniel Gantenbein, Winzerstar aus der Schweiz, präsentierte erstmals auf der véritable seine berühmten Weine.

Alleine die Eckdaten der véritable sprechen für sich: 430 Besucher trafen auf 100 Aussteller aus 10 Ländern mit Schwerpunkt Deutschland, Österreich, Italien und Frankreich. Praktisch alle bedeutenden Weinregionen und Rebsorten wurden mit Weltklasseweinen repräsentiert. Piemont, Toskana, Champagne, Burgund, Bordeaux, Elsass, Rhône, Rheingau, Mosel, Nahe, Pfalz, Franken, Kamptal, Neusiedlersee und alle anderen Topregionen waren mit Spitzenerzeugern anwesend. Eine Leistungsdichte der Extraklasse. Die Liste der Winzerstars, die persönlich ihre Weine ausschenkten ist lang, eine namentliche Nennung wäre ungerecht, da unvollständig. Alleine die Logistik des Transports vom und zum Flughafen war eine Meisterleistung. Für einen fast lächerlich erscheinenden Unkostenbeitrag und ein kleines Pfand bekam der Gast ein Zalto-Glas und konnte sich aus den mehreren Hundert Weinen die interessantesten einschenken lassen. Mineralwasser gab es im Überfluss, Brot zum Neutralisieren und köstliche Kleinigkeiten gegen aufkommenden Hunger auch. Ebenso hilfreich war ein gelegentlicher Espresso wie ein Stuhl im Schatten zur Erholung. Über fünf Stunden hatten Gäste, Presse und auch anwesende Winzer Zeit, tief ins Glas zu schauen - Stress pur!

Gaja, Barbaresco 2009
Ein weiteres Beispiel für die herausragenden Weine der véritable: der gereifte Gaja Barbaresco 2009.

Zur Verkostung angeboten wurden in der Regel die aktuellen Jahrgänge, das sind je nach Region und Wein 2013, 2014 und 2015. Viele Winzer brachten aber auch gereifte, große Jahrgänge mit. Das ist deswegen besonders bemerkenswert, da man so die Entwicklung der Weine direkt vergleichen konnte. So präsentierte Gaia Gaja persönlich ihren Barbaresco aus den Jahren 2013 und 2009. Aus dem toskanischen Weingut Ca`Marcanda der Familie Gaja wurde neben dem 2013er auch der 2004er Jahrgang ausgeschenkt. Faszinierend zu sehen, welch enormes Alterungspotenzial diese Weine haben, der 2004er war für uns einer der besten Weine der véritable.

Hubert Lignier, 1Cru Les Chaffots 2009
Warum das Original aus dem Burgund doch am besten ist zeigte der 2009er 1Cru Les Chaffots von Hubert Lignier.

Den besonderen Charme der véritable macht es auch aus, dass man Rebsorten über verschiedene Regionen probieren konnte, alle von Spitzenerzeugern gemacht. Ein gutes Beispiel sind die angebotenen Spätburgunder / Pinot Noir. Neben deutschen Topburgundern wie z.B. von Fürst über Österreichs Beste bis hin zum Schweizer Starwinzer Gantenbein und der Bodega Charcra aus Argentinien konnte man die Weine mit dem Original aus dem Burgund vergleichen. Und wurde wieder einmal daran erinnert, warum das Burgund eben doch das Mass aller Dinge ist. Sensationell der 1Cru Les Chaffots von Hubert Lignier aus dem Fabeljahrgang 2009. Diese Dichte und Aromatik bei gleichzeitiger Klarheit und Präzision der Frucht ist einfach unerreicht.

Stark vertreten waren traditionell wieder Weine aus Italien. Elio Altare lässt es sich seit zwei Jahren nicht nehmen, persönlich zu erscheinen. Und erbrachte gleich auch einen Barolo aus dem Spitzenjahr 2010 mit. Um wie viel besser dieser Jahrgang ist ließ sich im Quervergleich mit dem ebenfalls guten Barolo aus 2012 erschmecken. Unglaublich! Eindrucksvoll auch der Saffredi 2014 von Elisabetta Gepetti aus der Maremma. Obwohl der Jahrgang 2014 auch in Italien sehr schwierig war zeigte sich dieser Wein von seiner besten Seite. Wie so oft gilt: nicht blind vorverurteilen, besser selber verkosten!

La Mondotte 2009
Graf von Neipperg präsentierte seinen 2009er La Mondotte, ein 100-Punkte-Wein.

Auch wieder auf der véritable: Graf von Neippberg, der seine Weinpalette aus Saint-Émilion und Umgebung mitbrachte. Sein Stand war über die gesamte véritable dicht umlagert und das nicht nur, weil neben ihm Günther Jauch mit seiner Frau unermüdlich seine Weine von Othegraven ausschenkte. Von Niepperg präsentierte seine 2011er Kollektion, die ebenfalls dem schwachen Jahrgangsimage Lügen strafte. Die Menschentrauben könnten aber insbesondere damit zusammenhängen, dass er zudem einen veritablen 100-Parker Punkte Wein zur véritable mitbrachte: den 2009er La Mondotte. Die Lobeshynmen auf diesen Fabeljahrgang im Bordelais sind gerechtfertigt, der La Mondotte präsentierte sich als Traumwein und keinesfalls als zu überladen. Eine herrliche Säure und seidenweiche Tannine tragen diesen Wein bis ins großartige Finale und hinterlassen einen fast leichtfüßigen Eindruck. Und es muss erwähnt werden, dass dieser Wein bis zum Schluss der Veranstaltung um 17:00 Uhr noch vorrätig war und gerne ausgeschenkt wurde. Chapeau!

Eine tolle Veranstaltung mit vielen herausragenden Weinen. Nein, um den Titel der "besten Weinmesse Deutschlands" muss Uwe Warnecke nicht mehr kämpfen.