Alpina Auslese 2017

22. Mai 2017



München, 21. Mai 2017. Die Weinmesse Alpina Auslese ist keine gewöhnliche Weinmesse, sie ist ein einmaliges Ereignis, das in dieser Qualität in Deutschland ohne Vergleich ist. Zudem ist es eine Hausmesse, d.h. präsentiert werden die Weine, die das Haus "Alpina Weine" importiert bzw. im Sortiment führt. Einmalig ist nicht nur die Qualität der Weine, einmalig ist auch, dass von jedem Wein eine kleine Jahrgangsvertikale trinkreifer Weine angeboten wird. Angeboten wurden reihenweise ganz große Jahrgänge bedeutender Produzenten wie z.B. aus Bordeaux Weine aus den Jahren 2000, 2005, 2009 und 2010. Viele Weine werden aus Magnumflaschen ausgeschenkt.

Aufgrund des enormen Aufwands sowohl bei Alpina als auch bei den Produzenten fand die Auslese erst das dritte Mal im Abstand von jeweils 5 Jahren statt. Ob es in fünf Jahren wieder eine Auslese geben wird ist offen. Das Team um Organisator Markus Geigle hat wieder eine perfekte Veranstaltung vorbereitet und durchgeführt. Veranstaltungsort war, wie 2012, die Praterinsel in München. Jedes Detail wurde bedacht, Alpina ist ja ein von High Tech Ingenieuren geprägtes Unternehmen. Die Probegläser kamen von Zalto. Es ist immer wieder faszinierend, wie leicht diese Gläser in der Hand liegen.


Der Pontet Canet 2009 war nicht der einzige 100-Punkte Wein bei dieser Weinmesse.

Schwerpunkt des Weinprogramms der Messe war Bordeaux und Italien, mit einigem Abstand gefolgt vom Burgund, Deutschland und Österreich. Einige renommierte Vertreter waren zudem aus dem Rhônetal und Spanien angereist. Alle weiteren Regionen spielten eine eher untergeordnete Rolle, was sich keinesfalls auf den Klang der Namen bezieht. Faszinierend aber waren nicht nur die Flaschen, sondern auch die Präsenz der Produzenten, die die Alpina Auslese selbst für manchen Verkostungsstreifzug nutzten. So hörten wir einen berühmten Bordeaux-Produzenten sagen, "ich muss unbedingt mal einen Sassicaia probieren".

Bordeaux war mehr als prominent vertreten mit u.a. den Châteaus Palmer, Pichon Baron, Pontet Canet, Clinet, Smith-Haut-Lafitte, Canon La Gaffelière, Cos d`Estournel, Pape-Clément oder Valandraud. Sauternes war durch Suduiraut repräsentiert (unbedingt den 96er probieren!). Auch das Burgund war in sehr starker Besetzung nach München gekommen: u.a. präsentierten Comte de Vogüé, Confuron-Cotetidot, Louis Latour und Pousse d`Or nebeneinander ihre herausragenden Weine.

Unglaublich auch das Angebot an italienischen Spitzenweinen, nicht nur aus der Toskana. Gaja präsentierte seinen Ca`Marcanda, Tenuta San Guido den Sassicaia. Biserno war mit dem Topwein Ludovico vertreten. Costanti hielt die Fahne des Brunello hoch bis unter die Decke, Mascarello die des Barolo.


Ein 2005er GC Bonnes-Mares von Comte de Vogüé. Diese Flasche kann man eigentlich nicht einmal kaufen, geschweige denn verkosten!

Unabhängig davon, welchen Wein oder welche Person man nun explizit nennt, alle anderen hätten es genauso verdient. Die Qualitätsdichte war außerordentlich hoch, was eine Unterscheidung nicht einfacher macht. Dennoch lohnt eine kleine Reise durch die enorme Vielfalt des Angebots der Messe. Extrem interessant war der Jahrgangsvergleich z.B. der großen Bordeauxweine. Die berühmten Jahrgänge wie 2000, 2005, 2009 und 2010 bieten meist einen kaum für möglich gehaltenen Qualitätssprung gegenüber auch "guten" Jahrgängen wie 2008 oder 2006. So richtig merkt man das aber erst im Quervergleich.

Beispiel Pontet Canet: der 2009er war ganz klar einer der absolut besten Weine der Messe und meilenweit von den anderen Pontet Canet Jahrgängen 2000, 2002, 2007 und 2011 entfernt. Ja, selbst der 2000er zeigte sich trocken im Abgang und ausdruckslos. Großartig hingegen die 2000er von Pichon Baron und Palmer. Das Jahrgangspotenzial verfehlt haben auch die Jahrgänge 2000 und 2005 von Cos d`Estournel, mit dem deutlich besseren Ende für 2005. Gleich nebenan präsentierte Smith-Haut-Lafitte einen sensationellen 2005er. Selektion war also gefragt. Ein zweiter großer 2009er wurde von Pape-Clément vorgestellt, am Nachbarstand Valandraud mit einem ganz großen 2010er. Auch Clinet zeigte einen sehr feinen 2010er Jahrgang. Schwächere Jahrgänge oberhalb und unterhalb dieser mythischen Jahreszahlen fielen teilweise deutlich ab.


2008 war der erste kommerzielle Jahrgang des Weinguts Monteverro in der südlichen Maremma (Toskana). Über mehrere Jahrgänge war ein Vergleich der Entwicklung bis 2015 (Barrique-Probe) möglich.

Signifikant war der Jahrgangseinfluss auch bei den italienischen Weinen. Sassicaia präsentierte 1991, 1999, 2001, 2004 und 2007. Zumindest die letzten drei Jahrgänge erfreuen sich eines großen Renommees, konnten bis auf den 2001er den Anspruch aber nicht einlösen. Da war der schlankere 1999er, ein schwächerer Jahrgang, mit intensiver Sauerkirsche noch delikater. Sehr lehrreich war auch die Vertikale von Ca`Marcanda. Die Vertikale startete beim 2004er, der erst 4. Jahrgang von Angelo Gaja in Bolgheri, und reichte bis zum Jahrgang 2011, in Bolgheri sehr fein. Man konnte förmlich schmecken, wie die Weine aus Reben mit zunehmendem Alter an Ausdruckskraft zunahmen. Ähnlich die Vertikale von Monteverro in der südlichen Spitze der Toskanischen Küste bei Capalbio. Vom ersten kommerziellen Jahrgang 2008 reichte die Palette bis zur Fassprobe des großen 2015er. Nicht weit entfernt präsentierte die Tenuta di Biserno von Ludovico Antinori vier Jahrgänge der Top-Cuvée "Ludovico" aus 90% Cabernet Franc. Der Jahrgang 2012 des Ludovico gehörte ohne Zweifel zu den besten Weinen der Alpina Auslese.


Sassicaia ist sozusagen der Anker-Import von Alpina und darf auf keiner Hausmesse fehlen. Priscilla Incisa schenkte die fünf angebotenen Jahrgänge persönlich aus.

Viele große Weine, viele gute Weine und auch ein paar Enttäuschungen, wie z.B. Ridge Monte Bello 2010, ein trockener Wein ohne Frucht aus dem Superjahrgang in Kalifornien, waren zu erkunden. Insgesamt eine sehr anstrengende Verkostung mit hunderten von spektakulären Weinen, die man in kurzer Zeit gar nicht erfassen konnte. Dennoch war bei allen Teilnehmern, Gästen wie Winzern, rundherum glückliche Gesichter zu sehen. So eine Verkostung wird auch in München nicht oft geboten. Eben alle fünf Jahre nur einmal.