Dom Pérignon 2004 Dark Revelation

16. Mai 2013




Dom Pérignon Champagner werden nur in guten und außergewöhnlichen Jahrgängen hergestellt. Trotz einer gewissen Jahrgangsflut ist unbestritten, dass Dom Pérignons immer zu den allerbesten Champagnern gehören, ja mit den jüngsten Kreationen konnte man sich regelmäßig an die Spitze setzen, z.B. mit dem 2002er Blanc, dem 2000er Rosé, dem 2002er Rosé und vor allem dem großen 1996er Œnothèque. Auch der zunächst umstrittene 2003er Blanc, der etwas aus der Tradition von Dom Pérignon fiel, war ein grandioser Erfolg. Wie aber schafft man es, ein solches Topprodukt auch emotional aufzuladen, daraus einen Mythos zu schaffen? Der legendäre "Kellermeister" Richard Geoffroy und das Team um ihn herum meistern auch diese Aufgabe mit Bravour. Sie verbinden die Marke konsequent mit bekannten Künstlern, die zwischen Tradition und Moderne gekonnt zu verbinden wissen.

Der Release des neuen Vintage 2004 war Anlass genug für ein weiteres Mega-Event. Und es war das erste Mal überhaupt, dass eine solche Präsentation in Hautvillers, im Garten der berühmten Abtei des Mönchs Pierre Pérignon (1638-1715) stattfand. Nach den Wirren der Revolution und der Säkularisation konnte das Haus Moët & Chandon die Weinberge des Klosters samt Kloster und Kirche erwerben. Die Kirche wurde später der Gemeinde Hautvillers geschenkt, die Ruinen der an die Kirche gebauten Abtei und den herrlichen Garten behielt das Champagner-Haus, die Weinberge sowieso. Erst kürzlich wurden die Reste vollständig renoviert.


Eine Reise durch verschiedene Farben, die die Vielschichtigkeit der aus diesen Farben zusammengesetzten Farbe Schwarz ausdrücken, bot das optisch und geschmacklich auf den Dom Pérignon 2004 abgestimmte Menü.

Unter Rückbesinnung auf die traditionellen Werte lud man die internationalen Gäste des Hauses in den Garten der Abtei, die die Keimzelle und Inspiration für den Dom Pérignon repräsentiert. Da Dom Pérignon Champagner bis zu acht Jahre auf der Hefe reifen, steht der Release des neuen Jahrgangs unter dem Motto "Dark Reveleation". In der eigenen Übersetzung des Hauses bedeutet dies eine "Dunkle Offenbarung", bei der die Champagner aus den dunklen Tiefen der weiten Kreidekeller geholt und zum Genuss frei gegeben werden. Zu einem echten Mythos aber gehört auch, dass man die genaue Interpretation durch immer neue Aspekte gekonnt verschleiert. Also, warum eigentlich genau dunkel? Und warum "Offenbarung", wäre "Enthüllung", "Vorstellung" nicht treffender? Egal, RELEVATION eben.

Noch eine Interpretation: die Farbe Schwarz erhält man, wenn man alle anderen Farben mischt. Diese Vielschichtigkeit unterhalb der schwarzen Ebene erfährt man, wenn man sich den einzelnen Farben näher widmet. Genau wie bei einem Dom Pérignon, dessen Geschmack vielschichtig ist. Immer neue Schichten öffnen sich in der Nase, auf dem Gaumen und im Abgang. Ein übereinander gelegtes Kaleidoskop, das sich beim Genuss auftrennt. Was man sich darunter vorzustellen hat, konnte zwar der junge 2004er noch nicht vermitteln, später am Abend aber war klar, was Richard Geoffroy damit meinte. Einen Vorgeschmack bot das ausgefeilte Menü, dessen einzelne Gänge den Farben nach der prismatischen Zerlegung folgte. Diese Interpretation überlassen wir aber gerne den Experten der einschlägigen Food Magazine.


Der New Yorker Videokünstler Leo Kuelbs zauberte eine mitreißende und poppige Videoshow auf die ehrwürdige Abtei von Hautvillers.

Zur Führung der Luxusmarke Dom Pérignon und zum emotionalen Aufladen arbeitet das Haus seit geraumer Zeit mit führenden zeitgenössischen Künstlern zusammen, die die Marke und Ihre Tradition modern interpretieren. Bereits zur Einführung des Jahrgangs 2003 bestand die Kooperation mit Leo Kuelbs, dem renommierten Video-Künstler aus New York. Die absolut spektakuläre Performance im Juli 2012 in Berlin veranlasste die Veranstalter, erneut Leo Kuelbs mit der Interpretation des Jahrgangs 2004 zu beauftragen. Das Ergebnis war eine wieder spektakuläre, temporeiche, poppige und begeisternde Videoperformance, die das Team um Leo Kuelbs und die Videokünstler "Glowing Bulbs" auf die Fassade der renovierten Abteigebäude projizierte, das die Gäste mit Standing Ovations feierte.

Das insgesamt rund 7-minütige Lichtspektakel spannte den Bogen von den Anfängen des Mönchs Dom Pérignon, der hier in Hautvillers die Grundlagen des modernen Champagners legte bis zu den jüngsten Jahrgängen und schließlich dem Vintage 2004. Die mit faszinierenden 3-D Effekten aufgeladene Show machte es schier unmöglich, sich zwischen fotografieren und einfach nur genießen zu entscheiden. Glücklicherweise wurde die Show kurz vor Mitternacht noch einmal wiederholt. Ein Erlebnis war aber nicht nur die künstlerische Gestaltung, sondern auch die perfekte technische Realisierung, zumal man die Fassade des Gebäudes keineswegs als glatt bezeichnen kann.


Der 2. Höhepunkt des Abends und eine Überraschung war die Präsentation der Dom Pérignon Œnothèque 1970 zum Abschluss. Dieser perfekte Champagner sprengte dann alle Dimensionen.

Kaum kehrten die Gäste in das Festzelt zurück, da wartete das Haus Dom Pérignon mit einer weiterer Überraschung auf: es wurde zum Dessert ein 1970er Dom Pérignon Œnothèque gereicht. Einen solchen Champagner bekommt man nicht alle Tage serviert und so erfolgte die Annäherung mit einer gewissen Ehrfurcht. Schon die Nase verriet, dass die Ehrfurcht gerechtfertigt war. Was einem da entgegenströmte war das gesamte Kaleidoskop ohne dass sich aus der Überlagerung auch nur ein Tupfer Schwarz ergeben hätte. Die lebhafte Perlage dieses über 40 Jahre gereiften, intensiv gelben Champagners bestand aus feinsten Bläschen und vermittelte eine faszinierende Präsenz, die man für dieses Alter für unmöglich gehalten hätte. Spektakulär die Leichtigkeit und Frische, mit der der Champagner den Mund füllte, die Perlage den Gaumen streichelte. Schicht um Schicht öffneten sich die Aromen reifer Früchte wie Pfirsiche, Aprikosen, Zitrus. Der Abgang dieses Spektakels bleibt für eine unendlich scheinende Zeit präsent. Wenn man zeitvergessen das Glas mittlerweile auf dem Tisch abgestellt hatte, musste man es augenblicklich wieder an den Mund führen.

Und, wie harmonierte dieses Meisterwerk mit dem Dessert? Keine Ahnung, für das Dessert war einfach keine Zeit. Denn wer es doch fertigbrachte das Glas kurz abzustellen, bekam von dem aufmerksamen Service sofort nachgefüllt. Schlaraffenland? Ein Traum? In jedem Fall ein perfektes Champagner-Erlebnis. Zum Vergleich noch schnell den 2004er verkosten. Oh, ein grober Fehler! Diesen Test kann dieser junge Champagner nicht bestehen. Aber Richard Geoffroy tröstet: der 1970 könnte einen guten Vorgeschmack dafür liefern, wie der 2004er einmal schmecken wird - in der Œnothèque-Version und die kommt frühestens in 5-10 Jahren.


Die rund 150 Festgäste waren nur schwer zum Verlassen der Feier zu bewegen und blieben bis in die Nachtstunden.