Dom Pérignon 2003 vorgestellt

15. Dezember 2011




Siehe auch: Dom Pérignon 2002 Rosé vorgestellt

Weihnachts-Zeit ist immer Champagner-Zeit. Da wird der Markt mit Sonderangeboten und den neuesten Kreationen versorgt. Das gilt in aller Regel auch für Moët et Chandon, das neue Jahrgangsschampagner rechtzeitig vor dem Dezembergeschäft herausbringt. Mit einem neuen Dom Pérignon Jahrgang hatte man aber nicht mehr gerechnet, zumal der Jahrgang 2003 ausgesprochen schwierig war. Der hochklassige 2002er Jahrgang hat denn auch Moët et Chandon einen großartigen Dom Pérignon 2002 beschert, den man wegen seiner großen Qualität ein Jahr länger auf der Hefe reifen ließ. Dieser Champagner wurde also erst 2010 präsentiert, ein enormes Investment! Wäre also nun der 2003er an der Reihe gewesen, oder - wenn man auf die übliche Lagerzeit von 7 Jahren zurückgegangen wäre - sogar der 2004er, ein ordentlicher Jahrgang. Von Roederer gibt es den 2004er schon zu kaufen, 2003 wurde ausgelassen.

Jetzt nun die große Überraschung: am 07. Dezember 2011 wurde mit großem Aufwand der Jahrgang 2003 des Dom Pérignon präsentiert. Der Champanger wird aber erst ab Januar im Handel sein - und damit fällt das wichtige Weihnachtsgeschäft flach. Ist schon das Timing mehr als eigenartig überrascht zudem, dass man sich durchgerungen hatte gerade diesen schwierigen Jahrgang zu wählen. War der absehbare Verlust eines weiteren Jahres nicht tragbar? Haben sich die Controller durchgesetzt? Der (zu) späte Release spricht für größere Kontroversen im Hause LVMH. Nun bemüht man sich, aus der Not eine Tugend zu machen und redet den Champagner groß.

Von Beginn an war 2003 geprägt von extremem Wetter. Auf einen sehr kalten Winter folgte ein warmer Frühling. Dann Hagel und mehrfach Frost. Der schärfste Frost am 11. April zerstörte 3/4 des Chardonnay an der Côte des Blancs. Und dann kam der Jahrhundert-Sommer, der ganz Europa über Wochen mit Rekordhitze weit über 30 Grad traktierte. Trockenes und heisses Wetter ist zwar für die Reben gut, das aber war definitiv zu viel. Ein brutales Jahr für die Rebstöcke, die nichts machen konnten als die Wurzeln noch tiefer zu treiben auf der Suche nach Wasser - die perfekte Voraussetzung für den grandiosen Jahrgang 2005 in Frankreich! In der Champagne wurde so früh wie nur irgend möglich gelesen, um den Rest der Trauben, der das Wetter überstand zu sichern.

Richard Geoffroy ließ bei der Präsentation keinen Zweifel daran, dass er immer vorhatte, diesen Jahrgang als Dom zu präsentieren. Allerdings räumt auch er ein, dies sei eine Herausforderung ("Challenge to Creation") und ein Risiko gewesen. Die Grenzen des Dom Pérignon mußten verschoben werden. Das Ergebnis ist ein Champagner, der völlig untypisch ist für einen Dom. Laut, vordergründig mit heftiger Perlage und einer deutlichen rauchigen Note drängt er sich auf. Citrusgeschmack kämpft sich durch den Schaum, der Abgang ist erstaunlich lang. Der 2003er ist ein wahrlich ungestümer Champagner, der viele Jahre der Reife und Zähmung benötigt, kein Vergleich mit dem großen, cremigen Schmeichler 2002. Die Zeit wird zeigen, ob es richtig war, 2003 als Dom Pérignon Jahrgang zu deklarieren. Auf jeden Fall wird dieser Jahrgang historisch sein, denn es gibt nur sehr wenige Jahrgangs-Champagner aus 2003. Fast alle großen Marken haben verzichtet bzw. sich nicht getraut, den 2003er zu bringen.