Der kleine Johnson 2017

Weinführer



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Hugh Johnson
40. Ausgabe, Hardcover, 460 Seiten (2016)
Verlag Gräfe u. Unzer, ISBN: 9783833857218

Autor(en):
Hugh Johnson, geboren 1939 in London, erwarb sein Weinwissen zunächst als Mitglied der Wine and Food Society in Cambridge. Nach Abschluss seines Studiums arbeitete er als Redakteur für "Vogue" und "House & Garden". 1963 wurde er Generalsekretär der Wine and Food Society sowie Herausgeber von "Wine and Food". Gleichzeitig war er als Weinkorrespondent für "The Sunday Times" tätig und begann die Arbeit an seinem ersten Buch "Wine" (1966). Nach einem Jahr als Chefredakteur des Reiseressorts von "The Sunday Times" wurde Hugh Johnson Herausgeber von "Queen". 1971 gelang ihm mit der Publikation des ersten Atlas über die weltweite Weinproduktion "The World Atlas of Wine" der durchschlagende Erfolg.

Covertext:
Seit 40 Jahren ein Muss für alle Weinliebhaber: das erfolgreichste Weinbuch der Welt!

Bewertungen von rund 15.000 Weinen und ihren Jahrgängen.
Vollständig aktualisierte Jubiläumsausgabe.
Die neuesten Trends und Entwicklungen in der Weinwelt
Hugh Johnsons persönliche Lieblingsweine für 2017
Unser Eindruck:
Weinbücher haben es im Online-Zeitalter schwer, wie alle Printmedien. Das gilt besonders für Weinführer, deren Information wie in einem Lexikon aufgeführt sind. Dass dieses Buch heute überhaupt noch einmal komplett überarbeitet aufgelegt wird, ist Grund genug, es hier noch einmal zu präsentieren. "Der kleine Johnson" wurde 1978 bei HALLWAG zum ersten Mal veröffentlicht und erscheint seit 1985 jedes Jahr in einer aktualisierten Neuausgabe. Es ist das meist verkaufte Weinbuch der Welt mit über 12 Millionen verkauften Exemplaren und Übersetzungen in zahlreiche Sprachen. Das ist eine beachtliche Leistung zu einer Zeit, in der Medien wie Google oder winesearcher per Smartphone fast augenblicklich jede Information über unzählige Weine bereitstellen. Für das Buch arbeiten rund 40 Mitarbeiter, verzeichnet sind aber "nur" 15.000 Weine. Was also ist das Geheimnis dieses Buches?


Hugh Johnson 2016 in München

Es ist der Autor: Hugh Johnson, der Grand-Seigneur der englisch-sprachigen Weinliteratur. Der mittlerweile über 75-jährige Johnson schreibt seit Anfang der 1960er Jahre über Wein und ist Autor mehrerer Standardwerke, u.a. dem Weinatlas und natürlich dem "kleinen" und "großen" Johnson. Er gehört nicht nur zu den profiliertesten Weinjournalisten, lange bevor Robert Parker mit seinen Weinbewertungen begann, sondern kann als Mitbegründer der populären Weinliteratur angesehen werden. Zudem ist sein Urteil weithin anerkannt. Und obwohl ein großes Team an diesem Werk arbeitet, bemüht sich Johnson immer, den Texten eine persönliche Note zu geben. So bestand er z.B. darauf, dass sein Team bei den Weinbeschreibungen den Begriff "mineralisch" nicht verwendet. Ein Lesebuch wird aus diesem Nachschlagwerk dennoch nicht.

Das sehr kompakte Buch im Westentaschenformat ist eng bedruckt, die Schrift klein und anstrengend zu lesen. Die Weine und Regionen sind nach Ländern geordnet, einzig Frankreich erhält ein eigenes Kapital für die Châteaux von Bordeaux. Innerhalb der Länderkapitel finden sich alle Stichworte in alphabetischer Ordnung, Weingüter und Regionen bunt gemischt. Die Einträge sind nur selten länger als fünf Zeilen, die erste Zeile enthält Piktogramme und eine Liste der besten Jahrgänge. Die Klassifizierung erfolgt mit Sternen, maximal werden vier Sterne vergeben, diese Kategorie nennt sich "erstklassig, anspruchsvoll und teuer". Die besonderen Empfehlungen von Hugh Johnson sind mit roten Symbolen oder roter Schrift gekennzeichnet. Inflationär wird diese Farbe nicht verwendet. Das gesamte System erlaubt eine extrem schnelle Orientierung, das Urteil ist stets zuverlässig - natürlich kann man individuell aber anderer Meinung sein.

Eine Einführung in Jahrgangstabellen mit Bewertungen und Kommentaren, in Rebsorten, Speisen / Wein Kombinationen und andere nützliche Weinthemen eröffnen das Buch. Alles ist immer sehr kurz und bündig gehalten. Als Beigabe spendiert Hugh Johnston zur Jubiläumsausgabe noch 40 Kurzgeschichten zum Thema Wein und Terroir.

Das Büchlein ist ein klassisches Geschenk mit untadeligem Niveau für Weinliebhaber. Auch wir haben unsere erste Ausgabe vor sehr vielen Jahren einmal geschenkt bekommen. Mit rund 20 Euro ist es zudem erschwinglich und für viele der erste ernsthafte Kontakt zum Thema Wein. Und dafür ist es erstklassig geeignet. Wie viele der 12 Millionen Leser wohl im Lauf der Jahre zu profunden Weinfreunden geworden sind?

Wir gratulieren zum 40. Jubiläum und wünschen der gedruckten Weinliteratur insgesamt eine gute Zukunft. Das gute Weinbuch darf nicht verschwinden! Wer tiefgreifende Informationen zu einzelnen Weingütern und Weinen sucht, kann ja bei weinrouten online stöbern. Ob wir wohl mal ein gedrucktes Buch auf den Markt bringen? Das wäre schon cool. An Hugh Johnson werden wir aber sicher niemals heranreichen.

Unsere Bewertung: