Les 7 péchés capiteux de Robert Parker





Buch bei Amazon kaufen...
Benoist Simmat (Text), Philippe Bercovici (Cartoons)
(2010)
Verlag Editions 12 bis, ISBN: 2356482121
Unser Eindruck:
Franzosen ehren ihre Helden gerne in Comic-Form und versetzen diese Geschichten mit einer gehörigen Prise an kritischer Ironie (siehe Asterix). Nun hat es Robert Parker "erwischt". Unter dem Titel "Les 7 péches capiteux de Robert Parker" ("die 7 Todsünden des Robert Parker") wird sein egalisierender Einfluss auf die französischen Weine und ihre Industrie von Benoist Simmat auf`s Korn genommen.

weinrouten.de konnte das Heft, das im Laufe des Oktober 2010 erscheint, bereits vorab lesen. Wenn auf dem Titel nicht in fetten Lettern "Robert Parker" stehen würde, könnte man das Heft glatt für einen weiteren Asterix-Band halten, Aufmachung und Layout sind quasi identisch. Obwohl viele wirklich komische Elemente enthalten sind, ist der "Stoff" der Geschichte alles andere als lustig: Parker wird im Jahr 2017 (zu seinem 70. Geburtstag) vor ein Tribunal in Saint-Émilion gelockt und wegen seiner sieben Todsünden in Bezug auf den französischen Wein, insbesondere den Bordeaux, angeklagt. Diese Handlung bietet den Rahmen für eine schonungslose und mit beißender Satire gespickten Biografie des einflussreichsten Weinkritikers der vergangenen 30 Jahre.


Noch freut sich Parker über die Einladung seiner alten Weggefährten zu seinem 70. Gebutstag ...

Jeder einzelne Anklagepunkt wird durch einen Zeugen belegt, der Parkers Weg begleitet hat. Zu aller erst ist da Michel Rolland, der als Önologe aus Libourne als eine treibende Kraft Parkers skizziert wird. Seine Art, hoch konzentrierte und alkoholstarke Weine zu produzieren kommt dem Geschmack Parkers sehr entgegen. Da trifft es sich sehr gut, dass mit Jean-Luc Thunevin ein neuer Typ von "Garagen-Winzern" auftritt, der exakt diesen Stil mit Blick auf hohe Bewertungen praktiziert. Parker erscheint in diesem Spiel um Geld und Einfluss eher als bereitwilliger Komplize denn als genialer Kopf. Denn als "Yankee", der mit Coca Cola und Hot Dogs aufgewachsen ist, fehlt ihm jede Erfahrung und Urteilskraft für französische Weine und Gastronomie. Rolland und wichtige Négociants erkennen jedoch sehr schnell das große Potenzial des amerikanischen Marktes und die Willfährigkeit Parkers, wenn er nur entsprechend hofiert wird. In den USA trifft der als etwas einfältig skizzierte, immer "durstige" Parker auf einen noch unbesetzten Markt, in dem Wein noch kaum ein Thema ist. Als Amerikaner ist Parker zudem durchaus geschäftstüchtig und weiß seinen Einfluss auf die Weinpreise zu nutzen. Das Zusammenspiel mit Leuten wie Rolland nimmt seinen zunehmend negativ gesehenen Lauf.


Eine Schlüsselszene: der noch unerfahrene Parker erfährt nebenbei von Michel Bettane, dass der 1982er entgegen der Meinung anderer Kritiker ein großer Jahrgang wird - und reklamiert diese Erkenntnis, die ihn berühmt macht, für sich.

Das Heft nimmt direkt Bezug auf den Film "Mondovino" (Seite 18) und rechnet genadenlos mit Parker und dessen System ab. Das Vorwort von Dennis Saverot, Direktor der Redaktion der Revue du Vin de France belegt die Nähe zu diesem in Frankreich wichtigsten Weinmagazin. Der Kampf der Kulturen (Frankreich und Amerika) ist in fast jeder Zeile zu spüren. Wie das Urteil ausfällt, ist leicht vorauszuahnen, der Verlauf der Geschichte und die Pointen sollen hier naturgemäß nicht vorweggenommen werden. Die Geschichte ist zeichnerisch und textlich glänzend umgesetzt, bis in das kleinste Detail. Die Storyline wirkt jedoch stets etwas düster, es fehlt die Leichtigkeit und der für die Comicform notwendige Witz. Zu tief sitzt wohl die Verärgerung der Autoren, als dass sie auch einmal die Perspektive wechseln könnten. Vielleicht findet sich hier ein kleiner Ansatz in der Szene, in der Rolland französische Großindustrielle empfängt, die bei ihm nach dem Kauf prestigeträchtiger Châteaus für viel Geld Rat suchen, da sie selbst vom Weinbau überhaupt nichts verstehen.

Das Heft gibt nicht nur intime Einblicke in das System Bordeaux und seine Protagonisten. Die Dialoge sind teilweise heftig und zeichnen ein sehr frankreich-zentriertes Bild, aber das ist hier legitim. Solange keine deutsche Ausgabe verfügbar ist, ist das Heft nur für Leser geeignet, die über gute Grundkenntnisse in Französisch verfügen. Für diese jedoch bietet sich ein besonderes Lesevergnügen.

Absolument génial!

Unsere Bewertung: